Pünktlich fanden wir uns am 30.03.2012 um 12 Uhr am TAZARA-Bahnhof in Dar es Salaam ein… Doof nur, dass unser Zug eine Verspätung von 24 Stunden hatte (ich glaube ich werde mich nie mehr über die Deutsche Bahn beschweren). Aber macht ja nichts! Also ging es in die nahegelegene Shoppingmall zum gemeinsamen Kaffee trinken und anschließend wieder heim, war auch schön. Am nächsten Tag verliesen wir dann gegen 15 Uhr und mit 27 Stunden Verspätung endlich den Bahnhof von Dar es Salaam richtung Zambia – Beginn einer langen und schönen Reise in den Süden Tansanias!
Doch erst mal zurück zum Anfang:
Unser Plan war den Süden des Landes Tansania kennen zu lernen und dazu eine eineinhalb wöchige Reise anzutreten. Genau genommen waren unsere Ziele Mbeya, Tukuyo, Matema Beach am Lake Nyasa, Iringa und Pomern. Unsere Reisegruppe bestand neben mir aus meinen VIA-Freiwilligen Joana und Peter M., dem ebenfalls weltwärts-Freiwilligen Moriz, welcher in einer Waldorfschule in Dar es Salaam tätig ist, sowie den Kurzzeitfreiwilligen Louise aus Dänemark und Silvia aus der Schweiz.
1. Zugfahrt
Eines der Reise-Highlights war gleich zu Anfang – die Zugfahrt von Dar es Salaam bis zum zirka 800 Kilometer entfernten und ungefähr 2000 Meter höher gelegenen Mbeya mit der TZR-Eisenbahn (Tanzania Zambia Railway Authority). In Tansania gibt es insgesamt zwei Zuglinen auf welchen Personenzüge verkehren, die Central-Line von Dar es Salaam nach Kigoma und eben die TAZARA-Line von Dar es Salaam nach Kapiri-Mposhi in Zambia.
Die Zugfahrt war schon ein Erlebnis für sich. Zunächst brauchte ich ein wenig Gottvertrauen, denn die Wagons sind verdächtig auf den Gleisen rumgehüpft… Da die Gleise hier, nicht wie bei uns, nicht verschweist, sondern nur verschraubt sind, war die Fahrt alles andere als sanft. Abgesehen davon gab es aber nichts zu beanstanden, der Zug war verhältnismäßig sauber, unser Abteil groß und dank Speisewagons und Bars hat es uns an nichts gemangelt. Unsere Hauptbeschäftigungen bestanden aus Essen, Unterhalten und die wirklich schöne Landschaft zu bestaunen. Für die Nacht konnten sechs Pritschen ausgeklappt werden, auf welchen wir mehr oder weniger gut schliefen. Nachts blieben wir dann wegen eines entgegen kommenden Zuges noch vier Stunden stehen und kamen am nächsten Tag dann nach gut 26 Stunden Zugfahrt wohlbehalten und entspannt in Mbeya an. Insgesamt fanden wir es sehr angenehm mit dem Zug zu reisen, denn man kann im Gegensatz zum Bus herumlaufen und die Fahrt war sogar günstiger als mit dem Bus (24.000 TSh = ca. 10 Euro pro Person).
2. Tukuyo
Nach der Ankunft mit dem Zug verbrachten wir eine Nacht in Mbeya, bevor es am nächsten Tag mit dem Daladala (= Kleinbus) weiter nach Tukuyo ging. Tukuyo ist eine kleine Stadt, befindet sich zirka 70 Kilometer südlich von Mbeya und ist der niederschlagsreichste Ort des Landes. Nun kann man sich fragen ob es sinnvoll war ausgerechnet mitten in der Regenzeit dorthin zu fahren…Aber nun ja, mal wieder deutsches Schmuddelwetter mit Nieselregen war eine angenehme Abwechslung zum tagtäglich heißen Dar es Salaam. Von Tukuyo aus machten wir zwei Ausflüge.
Zunächst besuchten wir den Kaporogwe Wasserfall, bei welchem es sich laut Reiseführer um einen der schönsten des Landes handeln soll. Jedenfalls ist er tatsächlich sehr schön und beeindruckend, da man in einer Felsspalte sogar hinter den Wasserfall gehen kann. Auf dem Weg zu diesem Wasserfall fuhren wir durch ein Dorf und konnten die dort sehr fruchtbare Region bewundern. Überall werden Tee, Bananen, Reis, Mais und vieles mehr angebaut, was in das ganze Land transportiert wird und damit das Haupteinkommen der dortigen Bewohner darstellt. Auf dem Rückweg vom Wasserfall legten wir noch einen Zwischenstop bei einem der Dorfbewohner ein, welcher uns auf ein Glas des lokalen Bieres einlud. Gespannt und neugierig probierten wir das Bier…und würgten den Rest des Bechers aus Höflichkeit noch herunter. Dieses “Bier” haute wirklich rein, schmeckte bitter und braucht sich mit seinem Prozentanteil bestimmt nicht zu verstecken (und unser Fahrer (!) trank es wie Wasser…). Anschließend ging es wieder zurück zu unserer Unterkunft in der Stadtmitte von Tukuyo.
Am Abend durfte ich dann sogar ein “tukuyonisches” Krankenhaus kennen lernen… Da ich schon seit einer Woche Durchfall hatte und es mir zeitweise ziemlich schlecht ging, suchte ich eine Arztpraxis in Tukuyo auf. Dort wurden in meinem Stuhl zwei bakterielle Erreger (vermutlich durch verunreinigtes Essen hineingekommen) festgestellt und ich bekam Medikamente – um genau zu sein drei verschiedene Tabletten, wodurch ich jeweils sechs gleichzeitig nehmen musste. Dies macht besonders viel Spaß wenn man Tabletten und Pillen nicht schlucken kann
(aber seit dem kann ich’s jetzt…)
Am nächsten Tag ging es mir zum Glück wieder gut, denn wir machten uns zur meiner Meinung nach schönsten Tour des Urlaubs auf. Zunächst ging es mit einem Daladala zu einem kleinen Dorf zwischen Tukuyo und Mbeya, von wo aus wir den Fußmarsch zum Ngozi-Krater antraten.
Bei diesem soll es sich ebenfalls um einen der schönsten Kraterseen des Landes handeln und tatsächlich – der Ausflug war es wert! Allein der Weg war ein Erlebnis, denn um den Kratersee zu erreichen muss man einen Regenwald durchqueren. Zu Beginn gibt es noch einen breiten Waldweg, dieser endet allerdings irgendwann und von dort an geht es auf einem teilweise zugewucherten und mit umgeknickten Bäumen behinderten Trampfelpfad durch den Regenwald 200 Meter aufwärts bis zum Kraterrand. Ein anstrengender, aber spannender Aufstieg und ein tolles Erlebnis mitten durch den Regenwald zu marschieren (bis auf die metergroßen Spinnennetze unter denen wir uns durchducken mussten, das hat mich ein wenig an das Dschungelcamp erinnert und waren nicht meine Lieblingsstellen…). Oben angekommen hatten wir eine beeindruckende Aussicht auf den schönen Kratersee und aßen unser mitgebrachtes Essen. Für welches wir nebenbei bemerkt unabsichtlich 35 Bananen gekauft hatten – und zwar für umgerechnet zirka 45 Cent (entspricht einem Stückpreis von 1,3 Cent). Da es diese dort sozusagen im Überfluss gibt, sind Bananen in dieser Gegend sehr günstig.
Nach dem wir am Abend erschöpft und durchnässt wieder in Tukuyo ankamen, gönnten wir uns noch ein leckeres Essen. Und zwar besuchten wir das “Landmark Hotel”, in welchem es wirklich gutes Essen zu sehr günstigen Preisen gibt. Ich hatte dort die besten Spagetti mit Gemüsesoße meines bisherigen Lebens, für umgerechnet zirka 2,50 Euro! Auf jeden Fall besuchen wenn man in Tukuyo ist!
3. Matema Beach
Am vierten Tag der Reise verliesen wir frühs Tukuyo richtung Süden und machten uns damit auf den Weg nach Matema. Die Fahrt dortin hatten wir uns allerdings einfacher vorgestellt… Als wir in Kyela den Daladala wechseln mussten, ahnten wir nicht das wir in einem acht-Sitzer Daladala mit insgesamt 12 Personen kuschelnd ungefähr zwei Stunden lang über eine steinige Holperstraße richtung Matema ruckeln werden. Außerdem schüttete es den ganzen Tag unaufhörlich in Strömen, wodurch die “Straße” von Kyela nach Matema bereits teilweise überschwemmt war. Wir begannen zu Zweifeln ob wir dort am nächsten Tag überhaupt wieder zurück kommen werden, aber nun ja, erst mal wollten wir überhaupt ankommen…
Nach guten sechs Stunden teils unbequemer Reise erreichten wir endlich Matema und wurden dort mit einem schicken Hotel und schönem See belohnt. Matema liegt nämlich direkt am Lake Nyasa (auch Malawisee genannt) und den Livingstone Mountains. Der Lake Nyasa liegt zwischen den Ländern Tansania, Malawi und Mosambik und ist der neuntgrößte See der Erde. Wir stiegen dort im Matema Lakeshore Resorte ab, dieses wird von Schweizern geführt und stellte eine schöne Unterkunft dar.
Auch wenn es am ersten Nachmittag noch regnerisch war, gingen wir baden oder besser gesagten versuchten wir den zwei, drei meterhohen Wellen stand zu halten. Während über uns ein heftiges Gewitter wütete, verbrachten wir den Abend mit amerikanischen Studenten, welche sich ebenfalls gerade in diesem Hotel aufhielten. Am nächsten Vormittag konnten wir eine wolkenarme Aussicht über den See bewundern und konnten dank niedrigem Wellengang auch richtig schwimmen. Sehr angehm mal wieder in nicht salzigem und nicht brühwarmen Wasser zu baden. Gegen Mittag verliesen wir Matema Beach wieder und sicherheitshalber nahmen wir eine Mitfahrgelegenheit im hoteleigenen Land Rover in Anspruch. Mit diesem schafften wir die holprige Strecke bis Kyela in gerade mal einer Stunde und die teilweise hüfthoch überflutete Straße stellte kein Problem dar.
4. Iringa
Nach einer weiteren Nacht in Mbeya trat der Großteil unserer Gruppe bereits die Busreise nach Dar es Salaam an, da sie dort zu Terminen mussten. Silvia und ich fuhren allerdings noch weiter nach Iringa, eine ebenfalls im südlichen Hochland gelegene Stadt. Dies war bereits mein zweiter Besuch in Iringa, da diese schöne Stadt bereits das Ziel unserer Motorradtour im Oktober war.
Zunächst besuchten wir Malenka und Philip, die zwei weltwärts-Freiwilligen in Iringa, welche wir bei dem Empfang zum Tag der deutschen Einheit in der deutschen Botschaft kennen gelernt hatten.
Mit Philip und seinem Freund, welcher gerade aus Deutschland da war, machten wir einen Ausflug zum nahegelegenen Ruaha River. Dort wollten wir eigentlich an einer Badestelle schwimmen gehen, doch die Regenzeit machte uns einen Strich durch die Rechnung. Die sonst schöne, steinige Badestelle hatte sich in einen reisenden Strom verwandelt (Bild). Als alternativ kletterten wir auf den dortigen Felsen die Stromschnelle entlang und gingen anschließend ein Stück flussabwärts tatsächlich ins Wasser, dieses war jedoch arschkalt (!) und die Strömung war zu stark um dagegen anzukommen. So verliesen wir die Badestelle bald wieder und gingen in Iringa einen Kakao und Milchshake trinken.
Die nächste Nacht verbrachten wir bei der Familie von “Baba Musa”, dem Vater eines Kollegen bei Watoto Wetu Tanzania. Dieser hatte uns gleich herzlich zu sich eingeladen, als er hörte das wir nach Iringa kommen. Wir freuten uns sehr über deren Gastfreundlichkeit und konnten sogar in einem Hannah Montana-Bett schlafen (siehe Bild in der Galerie unten)! Den Ostersonntag verbrachten wir bis Mittag noch bei Baba Musas Familie und machten uns anschließend auf zur Pomern Secondary School.
Bei der Pomern Secondary School handelt es sich um eine Internatsschule, die zirka 15 der Jugendlichen von Watoto Wetu Tanzania besuchen. Unerwarteterweise befindet sich diese Schule allerdings im “Nichts”. Einmal täglich verkehrt ein Bus dorthin, in welchem es vier Stunden lang durch immer kleiner werdende Dörfer auf’s Land hinaus ging. Als wir endlich ankamen war meine Freude groß einige der dort zur Schule gehenden WWT-Mitgleider wiederzusehen. Diese waren nämlich über die Weihnachtsferien 2011 im Waisenheim in Dar es Salaam und ich kannte sie daher. Wir sahen uns die, wirklich schön gelegene, Internatsschule an und verbrachten den ganzen Abend mit den mir bekannten WWT-Mitgliedern. Auch der Schuldirektor nahm uns herzlich auf und wir konnten im Haus der internationalen Freiwilligen, in welchem gerade Amerikaner untergebracht waren, übernachten.
Nach der Rückkehr nach Iringa trafen wir uns noch mal mit Malenka, machten uns bei ihnen daheim Milchshakes und gingen abends gemeinsam Essen. Am darauffolgenden Tag ging es auch schon wieder zurück nach Dar es Salaam… Die achtstündige Busfahrt dorthin verlief problemlos und am frühen Abend kam ich wieder daheim an.
Sprichwörtlich, denn zu meiner Überraschung hatte ich tatsächlich ein “daheim”-Gefühl! Als ich in Kimara Mwisho aus dem Bus ausstieg und schon wieder schwitzend die überfüllten, stinkenden und dreckigen Straßen des heißen Dar es Salaams betrat, freute ich mich und lief grinsend den mir vertrauten Weg entlang. Ich war beeindruckend und auch erfreut, dass ich mich hier nach zirka sieben Monaten hiesigem Aufenthalt bereits tatsächlich heimisch fühle!














